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Ballonmission Schifferstadt - 08.03.97
Bericht zur Mission als PDF.File
1. Bericht, Ballon Schifferstadt
Liebe Freunde des Ballonprojektes!
Der am 8. Maerz in Schifferstadt von Schuelern der 10. Klasse des Gymnasiums am Paul-von-Denis-Schulzentrum gestartete Ballon ist, entgegen urspruenglichen Befuerchtungen, doch noch gelandet.
Zeit fuer ein kurzes Resumee des Ablaufes; an der Auswertung der gesammelten Daten wird bereits eifrig gearbeitet.
Der fuer 10 Uhr Ortszeit geplante Start verzoegerte sich durch Probleme mit der eigens zu diesem Zweck angefertigten Telemetrie-Auswertungs- Software auf den Rechnern. Schliesslich sollte sichergestellt sein, dass die Packet-Radio-Signale auch ordentlich empfangen und gespeichert werden konnten; auf ein rein akkustisches rte wollten wir uns nicht verlassen.
Um 10:16 war es dann aber, nach bangen Minuten des Wartens mit startbereitem Ballon, soweit. Bei optimalen Wetterbedingungen wurde das Gespann aus Wetterballon, Fallschirm, Radarreflektor und Radio-Box unter dem Applaus von mehr als 20 Anwesenden (Presse, Lehrer, Schueler, Familien- anhang und anderes "Fussvolk") losgelassen.
Bei sehr geringen Windgeschwindigkeiten wollte der Ballon anfangs nicht so recht vom Fleck und war am Startort gegen den wolkenlosen Himmel noch bis in eine Hoehe von 7 km zu erkennen.
Die Flugbahn des Ballons war diesmal wegen der geringen Windgeschwindig- keiten von der Distanz her nicht sehr spektakulaer, aber - zumindest auf einen fluechtigen Blick in den Monitor zur Echtzeitverfolgung der GPS- Positionsangaben - von mehreren Kurswechseln gekennzeichnet. Die meiste Zeit verbrachte der Ballon anscheinend ueber dem Rheingraben zwischen Schifferstadt und Heidelberg.
Die "Eckdaten" der Ballonmission entsprachen mustergueltig den bisher bereits gemachten Erfahrungen. In einer Hoehe von knapp unter 32 km platzte der Ballon um 11:41, also fast praezise zur erwarteten Aufstiegzeit von 1,5 Stunden.
Der Abstieg des Ballons erfolgte auf der Strecke zwischen Hockenheim und Eppingen - oestlich von Bruchsal im Kraichtal, von wo auch die letzte GPS-Positionsmeldung aus ca. 1700 m gegen 12:02 stammte.
Eine Fahrt zu der angezeigten Landestelle verlief leider erfolglos - der Sender war nicht mehr zu empfangen.
Am Sonntag-morgen um 1000 Uhr dann der erloesende Anruf! Die Box wurde von den Enkelkindern (um die 5 Jahre) des Anrufers auf freiem Ackergelaende hinter dem Aussiedlerhof bei Gochsheim erblickt und herangezerrt.
Der Ballon muss also auf den letzten 1500 m des Abstiegs erneut eine Kehrtwendung - diesmal nach Suedwesten - vollzogen haben und ist gute 10 km von der letzten GPS-Meldung entfernt aufgesetzt.
Nicht sonderlich ueberrascht hat uns die Tatsache, dass wir am Vortage gleich zweimal in nur 80 m Entfernung von der Box vorbeigefahren sind. So etwas soll auch schon anderen passiert sein... Es war aber auf der ganzen Suche kein PR-Geknarre zu vernehmen.
Die Box ist inzwischen wieder in der Pfalz. Optisch aeusserlich voellig intakt, wird sie zunaechst als Exponat in der Schule fuer ein paar Tage ausgestellt und danach zur genaueren Untersuchung auseinandergenommen werden. Neben der Box lagen noch die in feine, lamettaaehnliche schmale Streifen, geplatzte Ballonhuelle, ein arg verschmutzter Radarreflektor und der zerfetzte Fallschirm - das Ganze noch von einer viele Male verdrillten Tragschnur verbunden.
Selbst im einige Meter unterhalb des Ballon angebrachten Fallschirmknoten fanden sich kurioserweise Latexstreifen fest eingedrillt in den Knoten. Eine drei Meter lange Behelfs-Schleppantenne aus duennem Kupferlackdraht war bis zum Radarreflektor hinauf um die Tragschnur verschlungen.
Die Nutzlast muss sich also waehrend der Mission einige hundertmal unter dem Ballon gedreht haben - die Verdrillung war so stark, dass die Abstaende der Einheiten deutlich verkuerzt waren. Auch der Abstieg des Gespannes muss recht dramatisch aussehen. Voellig im Gegensatz dazu, die Unversehrtheit der Box...
Wir sind schon gespannt, was der geplante ATV-Ballon fuer neue Erkenntnisse bringen wird! Vielleicht sollte ein Rotationszaehler das naechste Mal mit an Bord - eine dreistellige Anzeige vorausgesetzt.
Die gesammelten Telemetriedaten werden von der Schuelergruppe in den kommenden Tagen und Wochen analysiert und ein Bericht angefertigt. Auch ein Videofilm soll entstehen und im "Offenen Kanal" - eine Art Buergerfernsehen fuer Jedermann - ausgestrahlt werden.
Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschoen fuer die Peilmeldungen, Empfangsberichte und Telemetriemitschnitte! Bitte noch eventuell vorliegende Telemetriedaten unbedingt an DF0AIS oder DF0SY schicken - auch wenn es nur wenige Zeilen sein sollten; die Erfahrung zeigt, dass in je- dem Mitschnitt verwertbare "Lueckenfueller" enthalten sind.
Besonders gefreut hat uns, dass diese erste Ballonmission 1997 aus der Pfalz zahlreiche neue Beobachter fuer das Thema interessiert hat; es finden sich viele neue Rufzeichen in den Mitteilungen und Berichten.
Bis zum 6. April, wenn in Pirmasens erneut ein Ballon starten wird!
73 de August DK5UG @ LX0PAC.LUX.EU
de:DK5UG 12.03.97 20:30
2. Bericht, Ballon Schifferstadt
Liebe Freunde des Ballonprojektes!
Im ersten Bericht zum Ballonstart in Schifferstadt vergass ich zu erwaehnen, dass just zum Startzeitpunkt noch ein weiterer Besucher aufkreuzte. Es war Cornel, DK5UC, der uns mit seinem motorgetriebenen Drachenflieger aus niedriger Vogelperspektive einen Gruss /AM zuschickte und um den aufsteigenden Ballon eine "Ehrenrunde" drehte.
Vergangenen Dienstag war "Schlachttag" an der Schule; die Box wurde geoeffnet. Alle aktiven Teilnehmer waren anwesend und konnten sich ueberzeugen, dass noch alle Komponenten an ihrem Platz waren. Das Innere der Box war diesmal trocken geblieben - wir hatten aber auch bewusst auf die chemischen Handwaermer verzichtet.
Das erste Raetsel - warum das Experiment mit dem Kraftmesser nicht funktionierte - konnte schnell geloest werden: die entsprechende Leitung zum A/D-Eingang der Elektronik war an der Loetstelle abgerissen. Offensichtlich ein Schaden, der beim Zupacken der Styroporbox entstanden ist. Nun sitzen wir leider auf ueber 22000 nutzlosen Null-Messwerten! Die mechanische Apparatur zur Kraftmessung ausserhalb der Box ist noch intakt; wer moechte sie gerne in einer eigenen Ballonmission verwenden? Dann waere der zeitliche Aufwand zur Konstruktion nicht ganz umsonst gewesen.
GMZ, GPS, Wettersonde, Batterien - alles an seinem Platz. In der Senderschachtel kullert eine Sechskantmutter herum! Und am Boden der Styroporbox hat sich eine 20mm-M3-Schraube verloren... Fuer das naechste Mal ist ein wenig mehr "Qualitaetskontrolle" angesagt.
An der Box war fuer ein ergaenzendes Experiment zu GPS noch eine circa vier Meter lange Behelfs-Schleppantenne aus duennem Kupferlackdraht angebracht. Um es vorweg zu nehmen - so etwas machen wir nicht wieder. Die mechanische Konstruktion des Kraftmessers auf dem Oberteil der Box verbot allerdings die naheliegende - und auch oefters empfohlene - Anbindung an die Schleppschnur. Wir haben uns dazu unmittelbar vor dem Start gruendlich am Objekt beraten. Immerhin verdanken wir diesem Draht eine Interpretationsmoeglichkeit fuer die starke Verdrillung der Trageschnur. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass unser Kupferlackdraht unter dem einsetzenden Luftwiderstand beim Abstieg nach oben, also oberhalb der Box, geschlagen ist und sich bei der Rotation des ganzen Ensembles mit in die Schnur gewickelt hat. Denn der Draht wurde in der Tat zu einem "festen" Bestandteil der Schnur, wickelte sich bis hinauf zum Knoten des Fallschirmes und wieder ein Stueck hinunter Richtung Box! Dies kann unmoeglich bereits waehrend des Aufstiegs geschehen sein.
Erste Ueberlegungen zu den GPS-Aussetzern waehrend des Abstieges gehen dahin, dass die Box reichlich turbulente Bewegungen gemacht haben muss, schnelle Rotation oder gar Trudeln. Vielleicht, weil der Auftriebszug an der Schnur beim Ballonplatzen ploetzlich ausfiel? Es ist wirklich schade, dass das Kabel des Kraftmesser abgerissen wurde - warum konnte es nicht das Kabel zur Messung der stabilisierten 5V-Spannung sein? War Murphy mit an Bord?
Dem PP-Convers-Mitschnitt konnte ich entnehmen, dass etwas Enttaeuschung herrschte, wegen der geringen Feldstaerke des Signals. In der Tat war die Sendeleistung diesmal etwas zu klein eingestellt; es haette mehr sein koennen. Aber auch sonst tragen die 70cm-Baken-Signale nicht ganz so weit, wie die auf 2m. Vielleicht waren insbesondere Beobachter aus den noerdlichen und oestlichen Gebieten inzwischen auch schon ein wenig verwoehnt? Die letzten Starts fanden immer in der Umgebung von Hannover statt - da kam auch in der Pfalz nicht besonders viel an.
Jedenfalls haben doch einige das "guenstige" Angebot eines nahen Starts angenommen und in der Gegend zwischen Neustadt und Stuttgart durch ihre Berichte das Unternehmen unterstuetzt - viele neue Rufzeichen!
In Kuerze werden hier die Grafiken der Auswertung eingespielt werden. Eine ueberarbeitete Zusammenstellung der gesammelten Telemetriedaten zu Wettersonde und GPS wird kommende Woche bei DF0AIS @ DB0DNI abgelegt; fuer die unermuedlichen "Selbstauswerter". Uns ist von einigen Daten- Mitschnitten bekannt, die uns noch nicht uebermittelt wurden. Diese moechten wir gerne noch mit einarbeiten, damit die Muehe der Beobachter nicht umsonst war. Uns erreichte ein Telemetrie-Mitschnitt aus dem Raume Nuernberg mit nur acht oder zehn Zeilen - auch darin war ein Mosaikteilchen enthalten! Also bitte auf keinen Fall davon ausgehen - "die haben doch schon alles". Das gilt natuerlich fuer a l l e Ballon- missionen.
Derzeitiger Stand der Datensammlung: ca. 1000 Zeilen aus TLMCAP, entspricht ca. 69 % der ausgesendeten Daten, ca. 1000 Zeilen aus TLM, entspricht ca. 69 % der ausgesendeten Daten, sowie etwa 72% der ausgesendeten GPS-Daten und eine Unmenge Datenmuell aus KRAFT (Kraftmesser). Mit "ausgesendeten Daten" ist das potentiell empfangbare Datenaufkommen vom Start bis zum Empfang der letzten registrierten GPS-Standortmeldung aus 1700 m Hoehe bei Eppingen gemeint.
73 de August DK5UG @ LX0PAC.LUX.EU
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