A A T i SArbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e.V. |
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Wir vom Theresia-Gerhardinger-Gymnasium am Anger, einer Mädchenschule, hatten uns zusammen mit unserem Lehrer Wolfgang Faber, DF5CK in den Kopf gesetzt, eine Stratosphären-Ballonmission durchzuführen.
Schon im Februar begannen die ersten Vorbereitungen für unser Ballonprojekt. Die wichtigsten Vorarbeiten (Versicherung, Flugsicherung, Vorbereitung der meteorologischen Nutzlast) übernahm der AATiS e.V. Des weiteren bastelten wir im Pluskurs Amateurfunk und Telekommunikation unter Anleitung von Wolfgang Faber, DF5CK, eine Schaltung, die alle 5 Minuten den Auslöser einer mitgeführten Motorkamera aktivieren sollte, um während des Fluges Fotos in Richtung Horizont zu machen. Wir wollten die Farbe der Atmosphäre unter den Bedingungen der verschiedenen Lichtstreuung besonders in der Stratosphäre und deren Ausbleiben in großer Höhe fotografieren und zugleich die Krümmung des Erdhorizonts in großer Höhe feststellen.
Ballonhülle, Fallschirm und Radarreflektor besorgte uns ebenfalls der AATiS. Bei der Deutschen Flugsicherung bekamen wir für unseren Wetterballon über den Amateurfunkverein eine besondere Fluggenehmigung, ein sogenanntes "NOTAM", welches besagt, dass alle Flugzeuge benachrichtigt werden und auf den Ballon Rücksicht nehmen müssen.
Die Firma Linde stellte uns als Sponsor freundlicherweise zwei große Flaschen Helium zur Verfügung. Am Samstag, den 17. April fingen wir um 9:00 Uhr an, alles für den Flug vorzubereiten. Im Computerraum gab's die letzten Instruktionen für die Flugbahnverfolgung, die Überwachung der Telemetrie-Daten und außerdem wurde der PP-Convers auf Channel 55 gestartet. Anhand der Flug-Wetterdaten (Dank an den DWD!) mit einer Prognose der Höhenwinde rechneten einige Schülerinnen aus, dass der Ballon in der Nähe von Regensburg landen wird. Diese Prognose sollte sich als sehr zuverlässig erweisen. Danach wurde auf dem Schulhof der Ballon mit etwa 5m³ Helium gefüllt und der Fallschirm, der Radarreflektor, die Box mit der Nutzlast und der Fotoapparat aneinandergebunden. Dabei gaben uns Emanuel vom Paul-von-Denis-Gymnasium in Schifferstadt hilfreiche Tips, da dort schon einmal eine Ballonmission durchgeführt wurde.
Um 10:04 Uhr war alles startklar. Aber der Ballon ließ sich nicht bändigen, zerriss das Seil oder es rutschte ein Knoten ab und er schwebte alleine in den trüben Himmel. Der Großteil der Schaulustigen lächelte, nur uns vom Kurs war es peinlich, besonders in Gegenwart der anwesenden Presse. Während daraufhin der Reserveballon aufgeblasen wurde, tauschten wir vorsichtshalber die Schnur aus, die die Geräte miteinander verband. Eine gute halbe Stunde später, um 10:36 Uhr, war der Ballon erneut bereit für seine Reise. Inzwischen hatte sich jedoch der Wind gedreht, weshalb wir unsere Position im sehr engen Schulhof ändern mussten, um den Ballon nicht durch unser spitzes "Anger-Türmchen" zu gefährden. Jubelnd entließen wir schließlich den Wetterballon in die Luft. Wenige Sekunden später wurde es im Computerraum sehr eng, da nun alle die Flugbahn des Ballons an unserem Großbildschirm mit einer Online-GPS-Eingabe in das Kartenprogramm TOP50 mitverfolgen, die graphische Darstellung der Telemetrie-Daten, die vom Ballon zu uns heruntergefunkt wurden, sehen wollten oder beim "Convers" zuschauen und mitlesen wollten, was die Funkamateure zu berichten hatten. Nach einiger Zeit ließ der Ansturm der Besucher wieder etwas nach. An den 15 Rechnerplätzen des Schul-Netzwerks im Computerraum wurden zusätzlich die Daten der Sprachausgabe in eine Excel-Tabelle eingetragen und als Diagramm dargestellt. Dies war eine Übung, die in den Informatik-Unterricht zur Tabellen-Kalkulation integriert war.
Als der Ballon um 12:02 Uhr über Siegenburg (30 km östlich von Ingolstadt) platzte, hatte er eine Höhe von etwa 31 km erreicht. Von nun an waren die GPS-Daten unzuverlässig: Da sich der Fallschirm nicht sofort ausbreitete, trudelte die Box zunächst im freien Fall. Somit war die Empfangsantenne nicht mehr gerade ausgerichtet und der GPS-Datenempfang unterbrochen. Einmal setzte die Übertragung der Daten für eine Zeitspanne von etwa 10 Minuten ganz aus, so dass wir befürchteten, irgend etwas sei dort oben zu Bruch gegangen, was aber zum Glück nicht der Fall war. Lediglich unser 2m-Direktempfang wurde nun zunehmend schwieriger. Wir bekamen allerdings von vielen Stationen in den folgenden Tagen Monitormitschnitte zugeschickt und konnten die Flugdaten damit vervollständigen.
Empfangsberichte trafen aus ganz Deutschland und fast allen Nachbarländern ein, darunter auch aus der Schweiz, Italien und Tschechien. Das letzte Signal des Ballons kurz vor seiner Landung erhielten wir an der Schulstation DK0TGG um 12:48 Uhr. Über "Convers" wurde uns wenig später mitgeteilt, dass die Nutzlasten in Laaber bei Regensburg gelandet seien. Dorthin waren schon einige Funkamateure zur Bergung unterwegs, die immer genau über die Position des Ballons unterrichtet waren.
Bisher konnte die Nutzlast jedoch nicht geborgen werden. Es verdichten sich Meldungen, dass sie ein Fußgänger mitgenommen hat. Auch ein Aufruf in der dortigen Lokalzeitung hat bislang keinen Erfolg gebracht.
Trotzdem war die Mission für die diversen Schülerarbeiten (Erdkunde-Strukturanalyse über die Erdatmosphäre, verschiedene Physikreferate) ein voller Erfolg und wir bedanken uns bei allen, die uns dieses großartige Schulprojekt erst ermöglicht haben und die unsere lückenhaften Mitschnitte perfekt ergänzt und verbessert haben.
Das große Interesse von Presse und Medien hat zudem für den Amateurfunk geworben. Zudem ist eine kurze Fernsehsendung über unsere Schule und eben diesen Ballonflug am 6. Juni um 18:00 Uhr in 3SAT in der Reihe "Tagebuch" angekündigt.
73, der Pluskurs Amateurfunk und Telekommunikation am
Theresia-Gerhardinger-Gymnasium in der Mitte von München.
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